Viehtransportwagen

Moderator: HF110c

Viehtransportwagen

Beitragvon Atlanta » Di 27. Nov 2018, 04:55

Im  Buch der Ingenieurswissenschaften „Der Eisenbahnbau" von 1892 wird in Band 5 auch auf Viehtransportwagen eingegangen.

Es werden die Nachteile europäischer Viehwagen gegenüber US Amerikanischer Viehwagen der C.C.C.C. = Canda Cattle Car Company und was für Auswirkungen das auf den Transport von Schlachtvieh zum Schlachthof hatte, eingehend dargestellt.

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Viehwagen nach Bauart der C.C.C.C. von 1880 mit weich gefederten Drehgestellen

Europäische 2, 3, oder 4 achsige Viehwagen, letztere mit Schraub- und Blattfedern, die anderen nur mit Blattfedern haben eine zu harte Federung, so daß jeder Schienenstoß im Waggon für einen unangehmen Lauf sorgt, was zu dem bei extremer Überladung der Wagen, beim Schlachtvieh Streß erzeugt und ein Streßhormone erzeugt wird, so daß das Schlachtvieh sich selber, sein eigenes Fleisch „vergiftet".
Diese wirkt sich nachteilig auf die Haltbarkeit und Qualität des Fleisches während und nach der Schlachtung aus, so daß das Fleisch schon „verdorben" ist, sobald es im Kühlhaus hängt.

Der US Amerikanische Kunde ist bei Rindfleisch sehr wählerisch und will Beste Qualität, so daß die Viehtransportwagen geräumig, gut belüftet und extrem weich gefedert sein mußten. Alle etwa 400 bis 600 US State Meilen mußte das Schlachtvieh sich von der anstrengenden Fahrt erholen, wofür 3 bis 4 Tage angesetzt waren, wo das Vieh mit ausreichend Futter und Frischwasser versorgt wurde. Auch die Viehwagen mußten eine reichhaltige Stroheinlage haben, welches die Tiere auch fressen konnten, so daß nicht separates Futter in den Wagen gegeben werden mußte. Die Ver- und Entladung erfolgte bei anbrechender Dunkelheit und endete an frühen Morgen vor Sonnenaufgang, um die Nachtblindheit der Rinder auszunutzen. Schweine, Schafe und Geflügel können zu jeder Tageszeit verladen werden.

Große Schlachthöfe wie in Omaha in Nebraska oder Chicago in Illinois quartierten das Schlachtvieh bis zu drei Tage ein und versorgten die Tiere gut, damit das Fleisch eine gute Qualität beibehielt.

Weiter wird in dem Buch der Ingenieurswissenschaften von 1892 darauf eingegangen, daß quer durch die Bank, alle europäischen Bahnverwaltungen extremen Nachholbedarf hätten in Puncto Qualitätssicherung bei Viehtransportwagen.

Wie ja leider hinreichend bekannt ist, haben sich europäische Bahnverwaltungen nicht dafür interessiert, in welchen Zustand das Transportgut, also das Vieh beim Kunden ankam, es zählte nur der erfolgte Transport, auch für verstorbene Tiere wurde der volle Transportpreis in Rechnung gestellt.
Schönen Gruß,
Ingo
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G.W.&.A.R.R. in H0 US Süd- und Pfirsichstaat Georgia 1928
L.T.E. – Lübeck Travemünder Eisenbahn Epoche I + II in H0/H0e
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