Mo 22. Jun 2020, 08:41
Moin liebe Stellwerksfreunde,
Ich weiß, die im vorangehenden Beitrag dargelegte Situationsbeschreibung kommt einem "Sprung ins Kalte Wasser" gleich, so erging es mir Anfangs aber auch.
Nun sind aber die Signal- und Sicherungstechniken wesentliche Aspekte für das Betreiben einer Eisenbahn unverzichtbar, so daß wir uns auch damit befassen müssen.
Gut, man könnte auch die bei Nebenbahnen, vereinfachte Signalisierung anwenden, warum aber tat man das in manchen Fällen nicht und wendete die "vollwertige" Signalisierungen von Hauptbahnen an?
Das hatte in der Preußenzeit mehrere Gründe:
1. Bei einer neu gebauten Bahnstrecke, weiß man nicht, wie diese sich entwickelt.
2. Es ist die Hauptstammstrecke der namengebenden Bahngesellschaft.
3. Man entgeht einer drohenden Verstaatlichung.
Wir unterscheiden zwischen:
S = Schnellzüge
P = Personenzüge
G = Güterzüge
Gem. Zug = Gemischte Züge als GmP oder PmG
T = Triebwagenzüge
V = Verschubdienst
Für einen reibungslosen Ablauf sorgt ein Fahrplan.
Die Bahnstationen sind unterschiedlich groß und haben unterschiedlich viele Gleise.
Damit sich zwei Züge begegnen können brauchen wir mindestens zwei Gleise und mindestens eine Weiche.
Für das "Ausweichgleis" gibt es aber bestimmte Anforderungen die erfüllt sein müssen:
1. Das Gleis muß lang genug sein.
2. Das Gleis sollte frei sein.
3. Das Gleis sollte von einem Eisenbahner überwacht sein.
Um eine Zug von einer Bahnstation ablassen zu können, müssen wir wissen ob das Gleis, in das der Zug fahren soll auch frei ist.
Um das herauszufinden müssen wir den Stationsvorsteher oder den Fdl = Fahrdienstleiter befragen, der den Eisenbahnverkehr in dieser Bahnstation koordiniert und kontrolliert und die entsprechenden Anweisungen gibt.
Hierzu stehen verschiedene Möglichkeiten und technische Hilfsmittel zur Verfügung.
Hierzu gibt es verschiedene Signale.
Das nachfolgende Bild zeigt uns nur eine ½ Bahnstation reduziert auf zwei Gleise.

Für die Darstellung der gesamten Station könnte man den ersten Teil gespiegelt and den Plan dransetzen, das sähe dann so aus.

Nicht jede Bahnstation muß auch zwangsläufig Bahnsteige oder Güterbehandlungsanlagen haben.
Betriebsstellen, also Bahnstationen an eingleisigen Bahnstrecken ohne Bahnsteige oder Güteranlagen, nennt man Blockstellen.
Sie ermöglichen es, dem Gegenverkehr ein Ausweichgleis zur Verfügung zu stellen und den Bahnbetrieb effizienter zu gestalten, so daß mehr Züge unterwegs sein können.
Man unterteilt Bahnstrecken in möglichst gleich lange Abschnitte, so können dann mehrere Züge unterwegs sein.
Bei eingleisigen Bahnstrecken kann aber immer nur ein Zug zwischen zwei Stationen unterwegs sein, bis dieser zu einem Bahnhof oder zu einer Blockstelle gelangt, um dem entgegenkommenden Zug auszuweichen.
Genug der Grundlagen, schreiten wir voran zur praktischen Anwendung.

Wenn wir uns für diese Bahnstation ein Stellwerk bauen wollen, müssen wir als erstes die Anzahl der benötigten Stellhebel ermitteln.
Dazu hilft uns der Gleislageplan mit den eingezeichneten Signalen und Weichen.
Stellwerke sind so aufgebaut, daß wir an einer Seite die Fstr Hebel mit dem Blockapparat haben, diese können sich links oder rechts von der Hebelbank befinden.
Beginnend links auf der Hebelbank fangen wir mit dem ESig
A an, welches zwei Signalhebel bekommt, eines für jeden Flügel also
A¹ und
A².
Als nächstes kommen die Signalhebel für die ASig
B und
C.
Wir haben 4 Weichen
W¹ und
W²,
sowie
W³ und
W⁴ Zum Abschluß kommen noch Signalhebel der Gegenrichtung, deren Anordnung auf der Hebelbank sollten möglichst entgegengesetzt angebracht sein und räumlich dichter an den betreffenden Signalen liegen.
Wir beginnen also mit dem ASig der Primärroute
D, gefolgt vom ASig der Sekundärroute
E und dem ESig mit den zwei Hebeln
F¹ und
F
².
Ob das aber in jedem Stellwerk so ausgeführt wurde ist fraglich, denn da gab es auch Unterschiede.
Bei Stellwerken, welche der Bauart "Einheit" entsprachen, wurde vieles "einheitlich" geregelt.
Auch bei der Signalbezeichnung gibt es unterschiedliche Variationen, die Kenntlichmachung der Signale mit Doppelbuchstaben oder Buchstaben und Gleisnummern waren durchaus üblich.
Signalhebel sind rot bemalt.
Weichenhebel sind blau bemalt.
Riegelhebel sind blau mit rotem Band bemalt
Fstr Hebel sind grün bemalt.
Unsere Hebelbank sieht nun wie folgt aus:
1. Hebel Fstr a¹/a²
2. Hebel Fstr b²/c¹
3. Hebel Fstr d¹/d²
4. Hebel Fstr e²/f¹A¹ A² B C W¹ W² W³ W⁴ D E F¹ F²Unsere Hebelbank hat also
4 Fstr Hebel und
14 Stellhebel.
An Hand eines Verschlußplans, kann man sehen, welche Stellhebel in welcher Stellung sich für jede Fstr befinden müssen.
Unser Verschlußregister bleibt noch recht übersichtlich.
Für jede Fstr wird eine Schubstange benötigt.
Für jeden Stellhebel wird ein Verschlußbalken benötigt.
+ und
– Verschlußstücke werden so an der Schubstange angeordnet, daß nur Verschlußbalken und Hebel bewegt werden können, die für das Einstellen der jeweiligen Fstr erlaubt sind.
In der Grundstellung also
+ Stellung sind nur Weichen frei stellbar.
Signale können nur gestellt werden, wenn die Fstr gelegt wurde und die Weichen damit festgelegt wurden, also gegen ein nachträgliches Umstellen gesichert wurden.