Weichen in der Länderbahnzeit

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Weichen in der Länderbahnzeit

Beitragvon Atlanta » Fr 16. Okt 2020, 09:32

Moin Kollegen,

wie wir ja seit 1868 wissen, gilt das Verwenden von Schleppweichen in Hauptgleisen als nicht statthaft, in Nebengleisen oder auf Sekundär und Localbahnen oder Schmalspurbahnen galt dieses nicht.

Dennoch möchte ich mich mit Schleppweichen beschäftigen, auch wenn diese dann halt nur bei Nebengleisen Anwendung finden können, da meine von mir ins "Auge gefaßte" Bahnstation erst zwischen 1873 und 1878 erbaut wurde.

Für die Nebengleise meiner Awanst könnte diese Weichenbauform dennoch von Bedeutung gewesen sein, auch wenn es geschichtlich anders war und man auch dort Zungenweichen verbaute.

Bei meiner ausgedachten Bahngesellschaft spielen aber die finanziellen Beschaffungskosten beim Bau der Stammstrecke eine entscheidende Rolle, die günstigeren Schleppweichen dürften für einen Anschließer durchaus gerechtfertigt sein, als die teureren Zungenweichen.

Weichen jeglicher Bauart wurden auch als "Ausweichen" bezeichnet.

Die Stephenson'schen Weichen sind auch als Schleppweichen bekannt bereiten aber gegenüber Zungenweichen ein paar Probleme bei der Anwendung.

Das Arretieren des eingestellten Gleises, läßt sich am Einfachsten über den Stellbock mit Hilfe eines Sperrbolzens gewährleisten, geht aber auch über Stellstangen in Stellwerken den damals sogenannten Signal- und Weichentürmen über einen zentralen Stellapparat, den Stellhebeln.

In der ganz frühen Bauausführung mußten Weichensteller mit Einsatz ihrer Körperkraft sich gegen den Stellhebel lehnen und die Einstellung beim Überfahren von Fahrzeugen, versuchen zu halten. Schwerwiegende Unfälle waren unvermeidlich, wenn Fahrzeuge zu schnell die Schleppweiche befuhren und ein zurückschnellender Stellhebel den Weichensteller gefährdete.

Arretierungsbolzen am Stellbock waren erste Maßnahmen zu einem etwas sicheren Weichenverschluß, scherten aber Arretierungsbolzen ab, waren es unkontrollierbare "Geschosse" deren Flugbahn nicht voraussehbar war.

Stumpf zum Schleppgleis hin befahrene Schleppweichen führten bei falsch eingestelltem Gleis unweigerlich zur Entgleisung des Fuhrwerkes, was dann zu Schäden an Rädern und der Schpeppweiche führen konnte.

Bereits im Jahr 1846 wurde im Polytechnischen Journal eine recht einfache Konstruktion vorgestellt, die einige Probleme der Schleppweichen auf einfache Weise beheben konnte.

Bild
Gemeinfreie Abbildungsvergrößerung aus dem Polytechnischen Journal von 1846

Die "aufschneidbare" Schleppweiche wurde erfunden.
Der Spurkranz eines sich von der stumpfen Seite auf falsch eingestellten Gleis drückt eine festanliegende Eisenschiene mit einem Spiel von 1 Zoll um weitere 4 Zoll auf und bewirkt die Umstellung des mit einem Kugelgewicht niedergehalten Weichenhebels in die andere Endlage, so daß sich die Schleppweiche vollständig auf den anderen Schienenstrang umstellt und vom zurückschnellenden Weichenhebel mit Kugelgewicht selbstständig in die andere Endlage versetzt wird.

Arretierungsbolzen sind auch beim richtigen Befahren fortan nicht mehr nötig, zudem läßt sich das Umstellen durch das Kugelgewicht nun einfacher vollziehen.

Eine Nachrüstung von bereits verbauten Schleppweichen aller verwendeten Schienenprofile wäre auf kostengünstige Weise problemlos möglich und so bräucht man nicht mal die gesamte Weiche durch eine neue Sicherheitsschleppweiche ersetzen.

Laut Polytechnischem Journal bestand ein großes Interesse bei vielen der im deutschen Sprachraum organisierten Eisenbahn Verwaltungen, nicht nur in Preußen, wo der Verein Preußischer Eisenbahn Verwaltungen seit seiner Gründung wirkte und stetig auf alle deutschen Eisenbahn Verwaltungen ausgedehnt wurde, welche sich in diesem Verein organisierten.

Der VDEV = Verein Deutscher Eisenbahn Verwaltungen umfaßte alsbald 41 Eisenbahn Verwaltungen im deutschen Sprachraum und 12 ausländische Eisenbahn Verwaltungen ohne Stimmrecht.

Die Bemaßung in der Zeichnung ist in englischen Fuß.
1 Fuß = 12 Zoll = 30,48 cm
Schönen Gruß,
Ingo
Bild
G.W.&.A.R.R. in H0 US Süd- und Pfirsichstaat Georgia 1928
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