Lübeck's alter Bahnhof am Holsten(tor)platz

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Lübeck's alter Bahnhof am Holsten(tor)platz

Beitragvon Atlanta » Do 1. Jul 2021, 02:08

Moin Kollegen,

was viele Besucher der Hansestadt Lübeck nicht wissen, blickt doch die Stadt auf eine lange Eisenbahngeschichte seit 1853 zurück.

Da wegen der Besetzung Schleswig–Holsteins durch Dänemark eine direkt Bahnverbindung nach Hamburg ausgeschlossen war, konnte dieses nur auf preußischen Staatsgebiet erfolgen und man gründete zu diesem Zweck die LBE = Lübeck Büchener Eisenbahn.

Die Stammstrecke führt über Ratzeburg und Mölln nach Büchen and die Großherzoglich MFFE = Mecklenburgische Friedrich Franz Eisenbahn von Berlin nach Hamburg.

Bild
Holzschnitt um 1890 – Bild mit Genehmigung der Stadtbiliothek Lübeck

Man errichtete innerhalb der Wallanlagen, zwischen dem äußeren und mittleren Holstentor die Bahnanlagen nebst Bahnhof, Werkstätten und Güterbahnhof. Das alte äußere Stadttor mußte zu diesem Zweck abgerissen werden.

Im Bereich der Obertrave, wo die Bahn über Possehlbrücke die Stadt verließ wurde in den Wallanlagen ein eisernes Tor errichtet, das gemäß der Lübecker Stadtgesetze abends verschlossen werden mußte und erst morgens wieder geöffnet werden durfte, diese Regelung blieb bis in die 1930er Jahre erhalten.

Dieses hatte zur Folge, daß der Bahnverkehr aus der Stadt heraus am Abend eingestellt wurde und erst am nächsten Morgen wieder aufgenommen werden konnte bzw. durfte.

Im Laufe der Jahre und bedingt durch weitere Expansionen der LBE wurde zunächst das zum Jahr 1853 errichtete Bahnhofsgebäude im Mittelteil um ein Stockwerk erhöht und als bald überstieg der Reisezugverkehr die Kapazitäten des Bahnhofs bei Weitem, weswegen man beschloß auf dem Neuhöferfeld etwas außerhalb der Wallanlagen den neuen Hauptbahnhof zu errichten, auch baute man gegenüber ein größeres Verwaltungsgebäude für den Firmensitz der LBE.

Im Jahr 1908 wurde der neue Hbf eröffnet.
Der alte Bahnhof hingegen außer Betrieb genommen.
Er lag brach bis zu dessen Abriß im Jahr 1931, verschiedene Konzepte zur Weiternutzung schlugen fehl.

Der alte Bahnhof am Holsten(tor)platz verfügte über ein paar Besonderheiten:
• eine eingleisige Bahnsteighalle
• ein paralleles Umfahrgleis außerhalb der Halle
• einen dreigleisigen Bahnübergang, den die Tram im Bereich einer Weiche eingleisig durchkreuzt
• abseitsgelegene Stumpfgleise mit Bahnsteigen der Hamburger Bahn als Kopfbahnhof ohne Halle
• ein offenes, ebenerdiges Weichenstellwerk mit Gestängehebelbänken ähnlich der Bauart von Saxby & Farmer
• Kommunikation mit Hilfe von Perronsignalen

Besonders der drei– bzw. viergleisige Bahnübergang mit der Weichendurchkreuzung der schmalspurigen (1100 mm) elektrischen Trambahn gilt als besondere Herausforderung für jeden Modellbahner.

Die einglisige Bahnsteighalle läßt an einen zweiständigen Lokschuppen erinnern bei dem aber nur ein Stand genutzt wird, dem ist leider nicht so, die Toreinfahrten sind breiter als bei Lokschuppen.
Auch wenn nur ein Seitenbahnsteig genutzt wird, es gab auch vergleichbare Bahnsteighallen, bei denen ein schmaler und etwa 2 m breiter, einseitiger Mittelbahnsteig genutzt wurde, wie bei der Blankenese Altonaer Vorortbahn im Westen von Hamburg.

Vermutlich müßte man sich Wandelemente und Fassadenteile der Bahnsteighalle lasern lassen?
Selbiges auch beim Bahnhofsgebäude.

Bilder folgen noch...
Schönen Gruß,
Ingo
Bild
G.W.&.A.R.R. in H0 US Süd- und Pfirsichstaat Georgia 1928
L.T.E. – Lübeck Travemünder Eisenbahn Epoche I + II in H0/H0e
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