L.T.E. = Lübeck Travemünder Eisenbahn Act. Ges.

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L.T.E. = Lübeck Travemünder Eisenbahn Act. Ges.

Beitragvon Atlanta » Do 24. Dez 2020, 00:04

Moin Kollegen,

aus gegebenen, sehr traurigem Anlaß, fühle ich mich geradezu dazu verpflichtet, wie als "letzten Willen" die Bahnstation Waldhusen, Awanst darzustellen.

Hier ein Flyer jener Bahngesellschaft:

Bild

Erst am 21. Dezember diesen Jahres unterhielt ich mich darüber mit meinem Vater, der diese Bahnstation als interessant empfand am 22. Dezember um 12:01 Uhr verstarb auch jetzt mein Vater, nachdem einige Monate zuvor meine Mutter verstarb.

London in England hatte 100 Jahre lang die Necropolis Bahn, samt 6 km² großem angeschlossenen Friedhof. Pro Zug wurden bis zu 60 Särge und Leichen, nebst Angehörigen zum Friedhof und zurück gefahren, bis dieser Leichentransport nach 103 Jahren eingestellt wurde,weil die Kapazität des Friedhofs nicht mehr ausreichte.

Im Königreich Preußen gab es bei verschiedenen preußischen Bahnverwaltungen spezielle Leichentransportwagen zur Überführung von Särgen und Leichen mit trauernden Angehörigen.

1904 wurde die Kiesgrube der Awanst Waldhusen in einen Waldfriedhof umgewandelt, der Gleisanschluß wurde nicht entfernt, sondern beibehalten.

Mein Vater meinte aber irgendwo etwas diesbezüglich gelesen zu haben, wollte mir den Text heraussuchen, wozu es leider nicht mehr kam aber er zeigte sich sehr fasziniert, trotz des traurigen Themas.

Aus gegebenem Anlaß werde ich nun diese Bahnstation bauen.
Schönen Gruß,
Ingo
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Re: L.T.E. Station Waldhusen, Awanst

Beitragvon Atlanta » Sa 16. Jan 2021, 04:42

Die L.T.E. = Lübeck Travemünder Eisenbahn ACtien Gesellschaft ist eine in den 1870er Jahren gegründete Privatbahn Gesellschaft, welche sich mit dem Eisenbahnverkehr zwischen dem Ortsteil Travemünde und der Hansestadt Lübeck beschäftigt.

1878 wurde seitens der LBE = Lübeck Büchener Eisenbahn begonnen eine Bahnstrecke in den Stadtteil Travemünde zu bauen, um diesen an der Ostsee gelegenen Stadtteil zu erschließen.
Nach der Fertigstellung der ersten Meile von Lübeck aus, erfuhr die LBE vom Bestreben der L.T.E. ihrerseits eine Bahnverbindung nach Lübeck zu errichten, jedoch hatte man seitens der L.T.E. noch nicht mit dem Streckenbau begonnen.
Die Direktoren beider Bahngesellschaften einigten sich aber darauf, daß die LBE den Streckenbau ausführt, der wiederum von der L.T.E. bezahlt wird.
Der L.T.E. wurde es gestattet bis zum Lübecker Bahnhof am Holstenplatz fahren und mitbenutzen zu dürfen. Zu dem einigte man sich auch darauf, daß die L.T.E. zunächst ihre Fahrzeuge bei der LBE in den Betriebswerkstätten gegen Bezahlung der Leistungen warten und instandsetzen darf bis sie über eigene Werkstätten verfügt.


L.T.E. = Lübeck Travemünder Eisenbahn Actien Gesellschaft

Gegründet: 20. Mai 1868
Bau der Hauptstrecke:
Lübeck <—> Travemünde Stadt
1878 bis 1882
Eröffnet: 1883
Erweitert: 1897 zum Strandbahnhof
Eröffnet: 1898

Dampflokomotiven - Name - Beschaffung:
Nr. 1 - Gnom - 1883 (explodiert 1888 bei Pöppendorf)
Nr. 2 - Zwerg - 1883
Nr. 3 - frei bleibend
Nr. 4 - Trave - 1898
Nr. 5 - Beste - 1898
Nr. 6 - nicht vergeben
Nr. 7 - nicht vergeben
Nr. 8 - nicht vergeben
Nr. 9 - nicht vergeben

Elektrische Fahrzeuge
ES = Elektrische Schnellzuglok

EP = Elektrische Personenzuglok
Nr. 1 – EP1 – Grenze –1899

EG = Elektrische Güterzuglok

ET = Elektrische Triebwagen Einheit

EV = Elektrische Verschubdienstlok

Nr. 1 – ET1 – Priwall – 1899
Nr. 2 – ET2 – ⅓ Zug Wagen 1 u. 2 – Friedrich – 1903
Nr. 3 – ET2 – ⅓ Zug Wagen 3 u. 4 – Franz – 1903
Nr. 4 – ET2 – ⅓ Zug Wagen 5 u. 6 – Wismar – 1903
Nr. 5 – ET3 – ½ Zug Wagen 1, 2 u. 3 – Boltenhagen – 1904
Nr. 6 – ET3 – ½ Zug Wagen 4, 5 u. 6 – Eulenburg – 1904

Antrieblose Wagen:
siehe Personenwagen

Nennspannung:
750 V Gleichstrom

Stromschiene:
Seitlich, von oben bestrichen

AT = Akkumulator Triebwagen Einheit
AT1 - Travemünde - 1899

Dienstwagen - Beschaffung:
Nr. 10 - 1883
Nr. 11 - 1883 (Totalschaden 1888 bei Pöppendorf)
Nr. 12 - 1889
Nr. 13 - 1890
Nr. 14 - nicht vergeben
Nr. 15 - nicht vergeben
Nr. 16 - nicht vergeben
Nr. 17 - nicht vergeben
Nr. 18 - nicht vergeben
Nr. 19 - nicht vergeben

Kaiserliche Postwagen - Beschaffung:
Nr. 20 - 1883
Nr. 21 - 1898

Packwagen:
siehe Dienstwagen

Personenwagen - Classe - Beschaffung:
Nr. 30 - IV - 1883
Nr. 31 - IV - 1883
Nr. 32 - IV - 1883
Nr. 33 - IV - 1883
Nr. 40 - III/IV - 1883
Nr. 41 - III/IV - 1883
Nr. 50 - III - 1885
Nr. 51 - III - 1885
Nr. 60 - II - 1889
Nr. 61 - II - 1889
Nr. 70 - I - 1898 Salonwagen
Nr. 71 - I/II - 1898 Schlafwagen
Nr. 80 - 1905 Trauerwagen

Güterwagen:
Gedeckt
Offen
Flach
Rungen
Tank
Kühl
Vieh

Wartung, Reperatur und Inspection:
LBE Werkstatt Lübeck

Stellwerksbauarten:
Saxby & Farmer, London - Gestängestellwerk
Zimmermann & Buchloh, Berlin - Gestängestellwerk

Signalbauart:
Preußisch

Kommunikation:
Siemens & Halske, Berlin
Schönen Gruß,
Ingo
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Re: L.T.E. = Lübeck Travemünder Eisenbahn Act. Ges.

Beitragvon Atlanta » Di 19. Jan 2021, 09:15

Moin Kollegen,

die Hauptstrecke der L.T.E. ist 3⅕ Meilen (24 Km) lang.

Zur Berechnung in preußischen Landmeilen sollte man wissen, daß eine Meile mit 7,5 Km berechnet wird.

Zur Ermittlung des Lokomotivbedarfs jener Zeit gab es eine einfache Formel:

Dazu nahm man an, daß eine Lokomotive jeweils einen Zug beförderte und einen Reperatur- und Wartungszuschlag von 20 % benötigte, was die Maschinenzahl auf 1,2 erhöhte.

Bei Bahnstrecken unter 6 Meilen (45 Km) konnte eine Lokomotive 4 Fahrten am Tag erledigen, was eine Maschinenleistung von 0,25 bedeutete.

Man brauchte nun nor noch die stattfindenden Fahrten mit den bekannten Größen ins richtige Verhältnis setzen, um die benötigende Anzahl an Maschinen zu erhalten.

L¹ = 1,2 x 0,25 x Fahrten pro Tag
L¹ = 0,3 x Fahrten pro Tag

Fanden also 8 Fahrten statt, also vier je Strecken Richtung so bedeutete das:

L¹ = 0,3 x 8
L¹ = 2,4

Da es aber keine 2,4 Lokomotiven gibt, wird auf die nächste Vorkommastelle aufgerundet.
3 Lokomotiven sind somit notwendig diese Aufgabe zu erfüllen.

Was aber paßiert beim Ausfall von nur einer Maschine?

Dann würden nur 6 Fahrten zu schaffen sein, für diese Eventualität müßte also eine Reservemaschine bereitgehalten werden, der Lokomotivbedarf würde also auf 4 Lokomotiven ansteigen.

Bei der L.T.E. verzichtete man aber auf diese Reservemaschine in der Anfangszeit, was sich als schwerer Fehler erwies, als im Jahr 1883 bei Pöppendorf eine Lokomotive in Folge eines Bedienungsfehlers explodierte und für Monate ausfiel.
Man beschaffte sich dabei aber gleich 3 weitere Maschinen modernerer Bauart und größerer Leistung und verwies die beiden älteren Maschinen zu niederen Aufgaben des Rangierverkehrs, wovon eine Maschine im Notfall als Reservemaschine dienen konnte.
Schönen Gruß,
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