Roco V80 mit Wendezug aus Mitteleinstiegswagen

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Roco V80 mit Wendezug aus Mitteleinstiegswagen

Beitragvon HF110c » Mi 28. Jan 2015, 20:18

Roco V80 mit Wendezug aus Mitteleinstiegswagen

Nach den bisher vorgestellten, relativ einfachen Soundprojekten für normale Lokomotiven kommt nun der nächste Schritt. Es geht in diesem Teil um die Digitalisierung eines kompletten Wendezuges. Prinzipiell ist das nichts anderes als ein Einzelfahrzeug mit mehreren Decodern für unterschiedliche Einsatzzwecke. Ich bespreche zuerst die Fahrzeuge, die allesamt aus dem Roco-Programm kommen. Die V80 mit Dachschalldämpfer und ein Mitteleinstiegswagen stammen aus einer Startpackung, die aufgrund der beiden bereits einzeln verkauften 3yg-Wagen Ende 2006 „geschreddert“ wurde. Die Lok und den Wagen erhielt ich als Weihnachtsgeschenk von meiner damaligen Chefin. Auf einer Börse in Castrop-Rauxel, die ich als Standpersonal unseres Geschäftes besuchte, fand ich einen passenden 1./2. Klasse Wagen und den Steuerwagen dazu. Bei dieser Gelegenheit erblickte ich auch einige, mir noch fehlende, seltene Güterwagen in bestem Zustand. Aufgrund der Tatsache, dass ich dem Händler als ebensolcher bekannt war und auch einen größeren Posten abnahm, einigten wir uns schnell auf einen guten Preis.

Zuhause angekommen erfolgte dann eine Stellprobe, in der die Zugreihung festgelegt wurde. Nach einiger Überlegung entschied ich mich den Zug wie folgt zusammenzustellen: Lok, 1./2. Klasse, 2. Klasse, 2. Klasse mit Gepäckraum und Führerstand. Nun galt es die Arbeitsschritte und die Komponenten für den Umbau festzulegen. Eines stand schon beim Kauf der fehlenden Wagen fest: Der Aufwand schlägt fast alles, was ich bisher im Fahrzeugbau in Angriff nahm. Dagegen war der Umbau der BR215 rückblickend betrachtet eine Lachnummer.

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Roco V80 mit ESU LokSound V3.5 für den Wendezugeinsatz:
Das Modell ist optisch wie technisch sehr gut gelungen. Die Lok fährt ungemein leise und dynamisch. Das äußere Erscheinungsbild des Vorbilds ist von Roco bestens umgesetzt worden. Das weiß/rote Licht bei der Beleuchtung jeder Seite ist leider schlecht voneinander isoliert. Zurüstteile zur Gestaltung der Pufferbohlen wie auch Blenden zur Tarnung der Kupplungsschächte bei Nichtgebrauch dieser liegen ebenso bei. Eine achtpolige DSS und ausreichend Raum für einen Decoder ist in der Lok vorhanden. Für den Lautsprecher muss man etwas Platz schaffen. Zum Einsatz kam der 20mm Rundlautsprecher mit Schallkapsel aus dem ESU- Programm. Er passt nach einigen Anpassungsarbeiten zwischen die Drehgestelle und strahlt zum Gleis ab. Für die Lautsprecherkabel ist ein Loch zu bohren, um diese unsichtbar nach oben zum Decoder zu führen. Federpuffer sind bei diesem Projekt nur auf einer Seite sinnvoll, da sie wegen der auf der anderen Seite verwendeten Roco-Kurzkupplung keine Funktion haben. Ebenso wurde die hintere Beleuchtung stillgelegt, weil die Lok ständig am Zug bleibt. Sparen wir uns also den ganzen unnötigen Aufwand und stellen die Lok immer mit dem hinteren Ende an den Zug. Um den Einbau von Gräler RP25/C88 Rädern kam ich aber aus optischen Gründen irgendwie nicht herum. Rein vom finanziellen Aspekt fallen diese angesichts des Gesamtprojekts ohnehin schon jetzt nicht mehr auf...

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Roco Mitteleinstiegswagen mit ESU LokPilot V3.0 FX im Steuerwagen:
Die Wagen sind selbstverständlich 303mm lang. Die Bedruckung ist lupenlesbar ausgeführt. Bei einigen Vorgängerserien war sie noch etwas zu grob ausgefallen. Die Fensterteilung entspricht dem mir vorliegenden Bild-und Zeichnungsmaterial. Ebenso stimmen die Anzahl der Dachlüfter und deren Anordnung mit dem Vorbild überein. Beim Zerlegen der Wagen ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt. Zum Glück gestaltet es sich aber wesentlich einfacher als der selbe Vorgang bei einem Liliput Wagen.

Die Wagen haben von Werk aus eine sehr gut gelöste Stromaufnahme über in Lagerblechen geführte, mittig geteilte Achsen. Es ergeben sich somit acht Stromaufnahmepunkte für jeden Wagen. Für eine flackerfreie Beleuchtung ist das eine wesentliche Voraussetzung. Roco bietet für die von ihnen stammenden 26,4m-Wagen RP25/C110 Radsätze an. Diese sind wie die Serienausstattung mittig geteilt. Um die Stromaufnahme noch weiter zu verbessern kamen die vierpoligen Kupplungen (GFN 384438) zwischen den Wagen zum Einsatz. Die stromführenden Kupplungen übertragen den Fahrstrom innerhalb des Zuges.

Als „Zugsammelschiene“ mit Anschluss an alle Drehgestelle ist eine flackerfreie Beleuchtung auch ohne Stützkondensatoren garantiert. Der Gegenpol der Beleuchtung wird von einem Pol der Zugsammelschiene hergestellt. Eine Durchschleifung von Decoder Plus (blaue Leitung des Funktionsdecoders) konnte so entfallen. Die zwei übrigen Pole der Kupplungen sind jeweils von je einem Ausgang des LokPilot V3.0 FX verbunden. So bleiben die Ströme, die den einzelnen Decoderausgängen abverlangt werden, in moderaten Grenzen. Die Fahrgastraumbeleuchtung aller drei Wagen sind an einem Decoderausgang. Die Beleuchtung von drei weiteren Wagen kann im Verstärkungsfall an den noch freien Ausgang, welcher bisher ohne Abgriff durch die bereits vorhandenen Wagen geführt ist, angeschlossen werden. In einem solchen Fall ist die Zugreihung mit Ausnahme von 1./2. Klasse-und Steuerwagen egal. Die Verstärkungswagen können also nach eigenem Gusto in den Zugverband eingefügt werden. Ebenso kann man den Stammzug auf zwei Wagen durch Herausnahme des 2. Klasse- Wagens verkürzen.
Die Verbindung zwischen der Lok und des 1./2. Klasse-Wagens erfolgt mit der normalen Kurzkupplung von Roco. Der Steuerwagen hat führerstandseitig eine normale Bügelkupplung. So können auch mal Güterwagen mit Expressgut befördert werden.

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Die Stirn-/Schlussbeleuchtung des Steuerwagens ist etwas bearbeitungswürdig. Wie bei der Lok streuen die Glühlampen auch auf die Lichtleiter der Gegenrichtung. Das Resultat ist ein unklares Signalbild. Eine Isolierung der Lichtleiter erfolgt wie bei der Lok mit Alufolie und Tesafilm. Dafür müssen zuerst die Innereien zerlegt und die entsprechenden Teile geändert werden. Der LokPilot V3.0 FX kommt direkt hinter der Beleuchtung auf den Führerstand unter das Dach. Die Leitungen zur Gepäck-und Fahrgastraumbeleuchtung, der Zugsammelschiene und den Kupplungen sind oben unter dem Dach verlegt. Sie werden an den Wagenenden unsichtbar durch die Toiletten zur Rahmenebene geführt und münden an der Kupplung. Bei den Zwischenwagen ist die Zugsammelschiene im Rahmen montiert, von den Kupplungen gehen die Schaltleitungen der Beleuchtung durch die Toilettenräume nach oben zur Beleuchtung und von dort am anderen Wagenende durch die Toilette wieder zum Rahmen.

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Achtung:
Die Zwischenwagen, ob nun der „normale“ oder aber die drei zusätzlich möglichen, sind richtungsgebunden. Sie dürfen bei der hier vorgeschlagenen Beschaltung also wegen der an die Zugsammelschiene angeschlossenen Gegenpole der Beleuchtung nicht einfach so wahllos aufs Gleis gestellt werden. Eine Farbmarkierung mit zwei Farben an der Unterseite jeden Wagens sollte aber helfen, sofern man in der Lage ist, rechtzeitig daran zu denken.

Bei den Leuchtmitteln entschied ich mich für die teilbare LED- Beleuchtungsleisten von Tams- Elektronik. Sie ist preiswert, flackerfrei und in die Roco-Wagen leicht einzubauen. Mit ihrem grellen Licht geben sie die Wirkung von Neonlampen gut wieder. Eine Belebung mit ausreichend Fahrgästen geht aber entweder stark zu Lasten des Portemonnaies oder kostet bei der Bemalung von etwa fünfzig Preiserlein viel Zeit und Nerven. Schließlich sollen diese ja nicht uniform aussehen, was auch einen größeren Vorrat an verschiedenen Farben voraussetzt. Durch die helle Beleuchtung der Wagen ist im Innenraum fast jedes Detail zu erkennen, weshalb man sich bei den Preiserlein keine Blöße geben sollte.

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Die Programmierung des Zuges:
Das Soundprojekt basiert auf der LokSound V3.5 Datei für die V80. Ursprünglich war es von ESU als 8Mb Projekt ausgelegt. Da ich aber einen 16Mb Decoder in die Lok baute, ging ich daran, den Sound zu pimpen. Das Endergebnis ist jedenfalls wieder mal fast führerscheinpflichtig. Der Funktionsdecoder stellt weitere Funktionen zur Verfügung, wobei einige Ausgänge aber im Functionmapping miteinander gekoppelt sind. Die Fahrgastraumbeleuchtung ist mit F7 zu schalten. Dabei handelt es sich um zwei gekoppelte Funktionsdecoderausgänge.
Der vollständige Funktionsumfang ist der folgenden Liste zu entnehmen.
F0 = Stirn/Schlusslicht, Lok vorn
F1 = Motorsound
F2 = Pfeife lang
F3 = Pfeife kurz
F4 = Läutewerk
F5 = Luftpresser
F6 = Rangiergang und ABV
F7 = Fahrgastraumbeleuchtung
F8 = Schaffnerpfiff
F9 = Gepäckraumbeleuchtung
F10 = Sanden
F11 = Stirn/Schlusslicht, Steuerwagen führerstandseitig
F12 = Abschlammen des Heizkessels
Prinzipiell sind weitere Soundfunktionen realisierbar, da der Flashspeicher noch mehr als genug Kapazität aufweist.

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Fazit:
Um zu einem realistisch ausgestatteten Zug zu kommen, ist ein nicht unerhebliches Arbeitspensum zu bewältigen. Wenn man bereits alle Teile herumliegen hat, dauert der reine Umbau etwa 8 Stunden. Nicht eingerechnet ist dabei die Erarbeitung der theoretischen Grundlagen. Der finanzielle Aufwand ist ebenso heftig. In etwa schlummern nun etwa 620,- € Materialneuwert in der vierteiligen Zuggarnitur. Selbst bei nur drei Wagen verschlingt eine ausreichende Besetzung mit Fahrgästen und Innenbeleuchtung fast schon ein Vermögen. Das Resultat überzeugt auf jeden Fall, trotz oder gerade wegen seiner unscheinbaren und einheitlichen Erscheinung. Bei einer Ausstellung hier in der Region stellte sich dieser Zug als Publikumsmagnet heraus. Einer der Besucher bot mir für den Zug sofort 800,- €. Als ich ihm erklärte, dass ich bereit sei, ihm einen ähnlichen Zug neu aufzubauen, war er verschwunden. Scheinbar ging es ihm primär um die Lok. Die wurde in dieser Form und Beschriftung nur ein Jahr und nur in der Startpackung angeboten.

Lieben Gruß

HF110c
Ich muss wohl kaputt sein. Nie funktioniere ich so, wie andere mich gerne hätten.
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Re: Roco V80 mit Wendezug aus Mitteleinstiegswagen

Beitragvon Atlanta » Mo 2. Feb 2015, 18:46

Moin HF110c,

ein sehr schöner und aufschlußreicher Bericht, so läßt sich sehr gut nachvollziehen was du bei diesem Projekt gemacht hast, hast du dir doch deine grünen Mitteleinstiegswagen entsprechend deinen recht hohen Ansprüchen "zurechtgefrokelt". Nicht jeder setzt die eigene Meßlatte bei solchen Projekten so hoch wie du an, wer jedoch deine anderen Projekte kennt, wäre bitter entäuscht, würdest du dein hohes Niveau nicht mehr halten können. :tr19:

Dieser "Apptitehappen" macht süchtig auf mehr von diesen, qualitativ, hochwertigen Bauberichten. :bigOK:
Schönen Gruß,
Ingo
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