Meine Fahrradtouren Teil 2:Mittelsächsisches Schmalspurnetz

Moderator: HF110c

Meine Fahrradtouren Teil 2:Mittelsächsisches Schmalspurnetz

Beitragvon 99 608 » Mi 22. Okt 2014, 18:44

Hallo,
Dies war meine bisher längste Tour - und sie war großartig!
hier wieder zuerst Informationen zu den Strecken:
Mit dem Fahrrad wurde auf der ehemaligen Strecke Wilsdruff - Gäritz und zwischen Wilsdruff und Nossen, also einem Teil der Strecke Potschappel - Nossen, gefahren. Die WG wurde zwischen 1909 und 1911 abschnittsweise eröffnet und der von mir befahrene Teil der PNo wurde am 01.02.1899 eröffnet. Stillgelegt wurden die Strecken dann zwischen 1966 und 1974.

Die Tour belief sich auf rund 145 km. Gefahren wurde mit einer Übernachtung in Roßwein, was in etwa auf der Hälfte der Tour liegt. Nicht zu unterschätzen sind allerdings die Hügel, die vor allem zwischen Döbeln und Lommatzsch"überfahren" werden müssen.

Ich bitte darum zu beachten, dass ich nicht überall Fotos gemacht habe und auch nicht alle Fotos, die ich gemacht habe hier einstelle. Es soll ja auch eine gewisse Lust darauf gemacht werden, die Strecke vielleicht selber zu befahren. Deswegen möchte ich auch nicht alles vorwegnehmen.


Nun viel Spaß beim Reisebericht:

Tag 1: Zwischen Meißen und Nossen

Früh ging es mit dem Zug nach Meißen-Triebischtal, so dass man 7:39 Uhr vor Ort war.

Entlang der Meißener 8 ging es dann nach Meißen-Jaspisstraße:


Weiter ging es dann und hier und da fand man auch noch einige Brücken, die früher von Schmal- und Regelspur genutzt wurden:

Ab Garsebach bog man links ab und es ging teilweise auf dem alten Bahndamm entlang...

und auch über ehemalige Eisenbahnbrücken, auf denen mittlerweile der Fahrradweg verläuft:


Über den ehemaligen Haltepunkt Preiskermühle erreichte man die Helm-Mühle und Polenz:




Dann fuhr man Taubenheim entgegen...


…,um dann nach einigen weiteren Orten zum Hp Wilsdruff zu kommen:



Nächster Halt: Birkenhain-Limbach

Dort kann man sich zwar noch erleichtern,...

…aber verladen wird nichts mehr.(ich hab's ja versucht...;-))

Aber warum heißt es eigentlich Birkenhain?


Helbigsdorf:

So wurde auch gleich das Fahrrad gewogen(Das Wiegehaus ist noch komplett eingerichtet. Mit Stuhl und Wiegebalken!):

Upps..., war ich das???;-)




Und eine Hinweistafel:


Dann machte ich mir kurz Sorgen wegen des Wetters(und das aus gutem Grund, aber dazu später mehr...)


Das Bahnhofs “-gelände“ von Mohorn:

...und der Lokschuppen:

Dann, kurz hinter dem Bahnhof, ein paar vergessene Schwellen:



Oberdittmannsdorf...

hier muss man aufpassen. Es geht links nach Klingenberg und rechts nach Nossen


Zuerst wurde der Brückenpfeiler direkt hinter dem Bahnhof Oberdittmannsdorf fotografiert:

Es folgen drei Fotos, die stellvertretend für Fotos mit ähnlichen Motiven sind:



In Reinsberg lag dann noch das hier:

Und hier das IV. Lichtloch des Rothschönberger Stolln:

Weiter ging es auf der Trasse nach Obergruna-Biberstein:

Der „wahre“ Grund für die Streckenstilllegung: man brauchte Material für die Zäune;-):


Dann ging nach Nossen, wo zufälliger Weise gerade Eisenbahnfest war. Also fragte ich die Dame am Eingang, wo denn der ehemalige Schmalspurlokschuppen sei. Sie antwortete, dass sich dieser gleich nebenan befände. Dem war nicht so, aber dafür habe ich die einzige echte Schmalspurlok der Reise gesehen. Danach ging es wieder runter vom Festgelände zum Schmalspurlokschuppen, wobei ich zugeben muss, dass der Regelspurlokschuppen in besserem Zustand war, aber er taugt wenigstens noch zu Fahrräder unterstellen:


Hier lag auch noch ein Stück Gleis:

Die Untersuchungsgrube kann wohl auch niemand mehr nutzen:


Original von 99 608
Dann machte ich mir kurz Sorgen wegen des Wetters(und das aus gutem Grund, aber dazu später mehr...)

So, der Grund kommt jetzt:

Und das Ausgerechnet 10 km vor Roßwein. Also eine Stunde unterstellen und dann hatte es immer noch nicht aufgehört. Also schnell auf den Bahnsteig von Nossen und – nochmal eine dreiviertel Stunde auf den Zug warten. Jetzt bin auch ich für den Erhalt der Bahn in Nossen.
Aber natürlich habe ich die Zeit genutzt , um noch ein Foto vom großen Lokschuppen zu machen.


Dann ging es schnell mit dem Zug nach Roßwein ins Quartier und dort hörte es dann auf mit regnen. Am nächsten Tag sollte es ja noch nach Meißen gehen, also früh ins Bett. Tag 1 war schon wieder vorüber, ein Tag voll von schönen wechselnden Landschaften und vielen Eisenbahnrelikten.


Tag 2: Zwischen Döbeln und Meißen

Nach den ersten zehn Kilometern zwischen Roßwein und Döbeln kam man dann nach Döbeln-Gärtitz. Dort gab es noch einige alte Wagenkästen und einige bekannte Häuser stehen auch noch:






Die Besitzer des Schmalspur-Albums der Strecke können ja mal vergleichen, vielleicht kommt dem einen oder anderen dieser Blick irgendwie bekannt vor:

Wenn man bedenkt , dass sich hier einst ausgedehnte Gleisanlagen befanden, stimmt einen dieser Blick hier ein wenig wehmütig:


Das ehemalige Empfangsgebäude ist zwar noch auffindbar, aber schlecht einzusehen:



Also wieder zurück und von der anderen Seite fotografiert:


An dieser Stelle markieren noch Baüme den ehemaligen Anstig des Dammes und man erkennt auch noch den alten Standort der Brücke:




Man sollte allerdings nicht in Gärtitz Rast machen, denn wenig später befindet man sich wieder auf dem ehemaligen Bahndamm und ist somit:


Kurz darauf stößt man auf diesen Spielplatz...


…mit einer interessanten Zuggarnitur und toller Trichterkupplung:-) ...


… und mit Infotafel:


Man stelle anschließend das Signal auf freie Fahrt:


Nach den ersten Hügeln genießt man noch die Aussicht:


An einer Kreuzung kurz vor Simselwitz, stand ich dann übrigens mit weit ausgebreiteter Landkarte, als ein älterer Herr mit seinem Auto heran kam, anhielt, die Scheibe herunterkurbelte und fragte: „Wo wollnsn hin?“
Da hab ich gesagt: „Nach Simselwitz.“
„Ja, da geht’s da nunner – wo wollnsn dann hin?“
„Nach Mochau.“
„Un dann?“
„Nach Kleinmockritz – ich will die ehemalige Schmalspurbahn abfahren.“
Dann erzählte er mir, dass er damals dort noch Rüben verladen habe, weil er Landwirt war und dass sein Großvater noch Aktien an der Zuckerfabrik in Döbeln und an der Strecke gehabt hätte, weil dieser noch an beider Bau beteiligt gewesen wäre.
Ich habe mich gefreut noch einen Zeitzeugen zu treffen, habe mich dann nach Simselwitz aufgemacht:



Und überall kann man den Bahndamm noch gut erkennen:


Mochau. Der Bahnhof gehört inzwischen den „Seehunden Mochau“:



Doch um Kleinmockritz ist es inzwischen schlecht bestellt. Zwar stehen noch Empfangs- und Güterabfertigungsgebäude, aber der Zustand derer spricht wohl für sich:




Da sich der Bahnhof Kleinmockritz in einer (O-Ton Anwohner) „Delle“ befindet, heißt es erstmal wieder den Berg hoch (und auf dem Foto sieht es nicht so steil aus, aber Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon aufgehört die Hügel zu zählen...):


In Beicha wird man von einer Tafel erwartet:


Und auch eine kleine Ausstellung hat man hier aufgebaut:


Auch ein schöner Wagenkasten hat hier Platz gefunden:


In Lossen hätte ich das Bahnhofsgeländ fast übersehen, aber Wartehalle.....:


...und Rampe sind noch erkennbar:


Übrigens ist in Lossen auch eine verdammt gute Gaststätte, in der uns der Koch selbst bediente.

Am Bahnhof Leuben-Schleinitz steht noch das Beamtenwohnhaus...:


...und beide Widerlager:


Natürlich darf auch ein Bild von der Drei-Bogen-Brücke nicht fehlen:


Mertitz-Gabelstelle:



Hier muss früher das Einfahrtssignal gestanden haben:


Dann war endlich Lommatzsch erreicht:



Wegen der besseren Sicht, hier der Lokschuppen nur von hinten(die Beete wurden übrigens angelegt, damit kein Müll mehr dorthin geworfen wird. Scheint zu funktionieren):


Von Lommatzsch nach Zöthain geht es schön bergab. Dort sind noch alle Hochbauten erhalten.
Man beachte den Erhaltungszustandsunterschied zwischen dem Beamtenwohnhaus und der Wartehalle:


Der Berg, der darauf folgt, war der schlimmste. Zu diesem Zeitpunkt war man bereits 55 km gefahren, und dummerweise hatte ich meine Sonnencreme vergessen und nach sechs Stunden praller Sonne fing meine Haut an, mir das übel zu nehmen. Und dann Schotterpiste steil bergab. Nunja, dann kam Käbschütz:


Steinbrecher und Wand sind im Sommer nicht gut zu erkennen:



Trotz des großen Sees auf dem Bahnhofsgelände von Leutewitz,...


...lohnt es nicht die Angel auszupacken denn hier ist...:


Das Wartehaus:


Und noch ein Stück Brück':


An der Maunaer Mühle wird man direkt von einem „Anwohner“ begrüßt:


In Mauna stehen noch Beamtenwohnhaus und Wartehalle:


(Das Dach soll übrigens im Sommer neu gemacht werden. Zu den Fensterläden regnet es schon mal nicht rein;-)):


Görna-Krögis:


Nach der letzten großen Steigung vor Meißen (in Canitz) erreicht man dann das Schmalspurbahnmuseum Löthain:


Nach dem Museum geht es schön bergab auf einer Fahrradstraße bis Garsebach. Hier das letzte Foto. Ich habe nach den Pfeilern keine mehr gemacht, weil die von Meißen schon am Vortag geschossen wurden:


So konnte auch der zweite Tag erfolgreich und voller Eindrücke beschlossen werden. Mit dem Zug ging es dann wieder nach Hause.

-----------------------

Nach den 96 eingestellten Bildern hier noch einige Tipps:
1.Sonnencreme nicht vergessen!
2. Berge nicht unterschätzen!
3.Einige weiterführende Links:


Wer nun auch interesse an einer solchen Tour hat -
hier gibt es viele Relikte zwischen Döbeln und Meißen zu sehen:

Und hier den Teil der Radroute zwischen Löthain und Nossen:


Insgesamt war die Tour klasse. Die Kilometer schafft man locker auch als Ungeübter. Zeit bleibt viel für Spurensuche und auch wenn die Museen nicht geöffnet haben, sind sie einen Besuch wert. Man kann auch kleinere Runden drehen, zum Beispiel nur auf der „Meißener 8“ oder der Städteroute. Doch es gibt trotz der Jahrzehnte, die seit den Streckenstilllegungen vergangen sind, noch viel zu sehen.

Bis zur nächsten Tour
MORITZ
(aus der Biberklause in Neichen)

Wo die Ähren der Felder wiegen leise im Wind
das dampfende Bähnlein durchs Tal eilt geschwind.
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Re: Meine Fahrradtouren Teil 2:Mittelsächsisches Schmalspurn

Beitragvon Jendris » Mi 22. Okt 2014, 21:37

99 608 hat geschrieben:.............
Dies war meine bisher längste Tour - und sie war großartig!
.........................


Und der Bericht ist es auch.
Ich habe viel gesehen, was mir bekannt vorkam - in 1zu87 aber 9mm Spurweite.

Klasse!

Gruß
Jendris
Jendris
 

Re: Meine Fahrradtouren Teil 2:Mittelsächsisches Schmalspurn

Beitragvon 99 608 » Di 4. Nov 2014, 16:29

DANKE!!!
Ich gebe mein Bestes!

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