Meine Fahrradtouren Teil 1:Tessiner Rübenbahnen

Moderator: HF110c

Meine Fahrradtouren Teil 1:Tessiner Rübenbahnen

Beitragvon 99 608 » Mi 22. Okt 2014, 18:26

Tach Leute,
einige kennen die Serie sicher schon, aber ich beginne nun auch mal in diesem Forum über meine Fahrradtouren.

Durch die folgende Tour hatte ich Blut geleckt, und so kam es auch zu anderen Radtouren entlang stillgelegter Schmalspurbahnen.


zuerst ein paar Informationen zur Bahn:
Es gab zwei Strecken: die 11,7km lange Dölitz-Grammower Rüben Eisenbahn über Groß Niederköhr und Samow nach Grammow
und die Bahnlinie über Tessin Zuckerfabrik, Dammbruch, Zarnewanz, Gnewitz, Thelkow, Alt Stassow, Nustrow Buchenberg und Wilhelmshof nach Cammin
Erstere Strecke ging 1945 als Reperationsleistung an die Sowjetunion.
Es gibt einen "Radweg" entlang der zweiten Strecke. Dort sind auch an den ehemaligen Haltestellen Holzdenkmäler aufgebaut und Infotafeln. Die Streckenkarte bekommt man in der Touri-Info in Tessin.
Sie sagt folgendes:


Stellen Sie sich vor, Sie fahren durch das Tessiner Land, und statt der für Mecklenburg typischen, gelb blühenden Rapsfelder umgibt Sie Rübenacker so weit das Auge reicht; in der ferne hören Sie ein dumpfes Rattern und sehen dicke, weiße Rauchwolken aufsteigen.
Dann sind Sie angekommen in der Zeit, in der die umliegenden Gutshäuser aufblühten, die Dampfloks auf schmalen Schienen massenhaft Rüben in die Stadt transportierten und die Zuckerfabrik in Tessin die Herstellung des "weißen Goldes industriealisierte.

Während die Zuckerfabrik nicht mehr oder noch nicht wieder in ihrem alten Glanz, aber noch an alter Stelle thront und die Gutshäuser mittlerweile wieder ihre alte Würde ausstrahlen, istvon der Rübenbahn nicht mehr viel übrig geblieben. Wagen und Loks sind bis auf wenige verbliebene „Zeitzeugen" verschwunden, und auch die Schienen wurden demontiert.

Die von der Trasse erschlossene Landschaft ist jedoch schöner denn je. Entdecken Sie auf den Spuren der alten Rübenbahn Relikte aus längst vergangenen Tagen. Erfahren Sie an insgesamt 10 Stationen mehr über die süße Geschichte des Tessiner Landes.


Von der Zuckerfabrik(Station 1) in Richtung Norden startend, führt Sie der ausgeschilderte Weg in Richtung des talübergreifenden Naturschutzgebietes „Lieper Burg". Rechter Hand öffnet sich die weite Niederung der Recknitz, linker Hand schmücken bildschöne knorrige Baumriesen den Hang. Dem Weg weiter folgend, gelangen Sie unweigerlich zu Station 2, an der Ihnen eine riesengroße Rübe mehr über den wahrlich „einschneidenden" Zarnewanzer Dammbruch verrät. Weiter nördlich trifft gut befahrbare Betonspurbahn dann wieder auf den alten Bahndamm und führt Sie direkt zu Station 3 in Zarnewanz. Lok und Anhänger laden zu einer Verweilpause ein, die Wackel-Rüben-Rakete eher zu Austoben. Ihren (Wissens-)Durst können Sie an der Schautafel stillen. Mit dieser Rübenbahnstation wird der Sinn des Straßennamens „Am Bahndamm" wieder für jedermann nachvollziehbar.

Von Zarnewanzfolgen Sie bequem dem parallel zu Straße verlaufenden Radweg und damit dem ehemaligen Schienenverlauf bis nach Gnewitz. Dort treffen Sie unmittelbar auf die einstige Endstation des nördlichen Stranges der Rübenbahn. Pferd und Wagen verdeutlichen hier, wie die Rüben damals von den Feldern zur Verladestation transportiert und von der Rampe in die offenen Holzwaggons gekippt wurden. Verweilen Sie hier lieber ein bisschen länger, denn für das nachfolgende Tourensctück werden Sie die Kraft benötigen.
Zunächst geht es noch geruhsam auf gut befahrbaren Wegen vorbei am vom alter gezeichneten Wildapfelbaum Stubbendorf nach Ehmkendorf. Nach dem Sie rechts am Gutshaus vorbei gefahren sind, folgt ein kleiner Husarenritt, denn die unbefestigten Sandwege in Verbindung mit den steilen Hängen zur Recknitz hinunter garantieren eine rasante und holperige Fahrt. Unten hoffentlich heil angekommen, geleitet Sie eine der wenigen Recknitzquerungen sicher auf die andere Seite.
Vorbei an den 5000 Jahre alten Großsteingräbern gelangt man über Liepen nach Thelkow zu Station 5. Hier können Sie über ein Rübenfeld klettern oder einfach nur die müden Beine baumeln lassen Eine aus Originalschienen gestaltete Kreuzung deutet den einstigen Verlauf der Bahntrassen nach Starkow, Tessin und zum Gutshaus Thelkow an. Wenn Sie Ihre Tour in Richtung Alt Stassow fortsetzen, wechseln Sie von der Tessiner zu Dölitz-Grammower Rübenbahn. Die Rüben der umliegenden Felder wurden nicht i9n die Tessiner, sondern der Teterower Zuckerfabrik verarbeitet. An Station 6 in Alt Stassow finden Sie eine schöne Aussichtsterasse am Teich. Während Sie gemütlich auf entgleisten Loren sitzen, veranschaulicht Ihnen ein Gemälde von H. Daebel, wie das zur Rübenzeit noch vorhandene Gutshaus einmal ausgesehen hat.
Wenn Sie eine Abkühlung wünschen, machen Sie doch einen kurzen Abstecher zum Badesee, aber achten Sie darauf, dass Ihre Fahrkarten nicht nass werden, sonst bekommen Sie mit dem Schaffner an Station 7 in Nustrow Ärger.

Von Nustrow gelangen Sie über Kowalz wieder zurück zur Rübenbahnstrecke Tessin-Thelkow, die Sie direkt nach Vilz bringt. Kurz hiner Vilz können Sie sich entscheiden, über die Eisenbahnbrücke zurück nach Tessin zu fahren oder Ihre Entdeckungstour auf der südlichen Trasse fortzusetzen.

Letzteres erfordert die Überquerung der B 110 in Richtung Selpin. Wenn Sie anschleißend „Slawio“ kennenlernen möchte, biegen Sie kurz hinter der Autobahn auf die alte Rübenbahntrasse ab; an der Wegekreuzung Reddersdorf-Vogelsang erwartet Sie dann an Station 8 der letzte übrig gebliebene Zeuge der slawischen Siedlungszeit und erzählt Ihnen tausendjährige Geschichten.

Weiter geht es nach Selpin, wo wieder Ihr Entdeckerwille gefragt ist, denn hier geht der Wiedereinstieg in das Rübenbahnnetz tatsächlich über den Hof eines Schafstalls. Trauen Sie sich, Ihr Mut wird mit einem herrlichen Weg durch das Mecklenburger Parkland belohnt. Wenn Sie die richtige Zeit erwischen, werden Sie zudem mit reichlich Obst versorgt. Der an Station 9 Wilhelmshof zur Seite geschobene, defekt Holzwaggon versinkt langsam in der Erde, die Rüben auf dem Dach sind schon wieder ausgeschlagen, einige sind herausgefallen. Dennoch ein schönes Fleckchen zu verweilen. Ganz nebenbei erfahren Sie hier auch noch etwas über fliegende Schienen.

Weiter geht’s, nach einer Weile biegen Sie in Richtung Wesselsdorf ab. Wenn auch ein kleiner Umweg, so verläuft doch die interessanteste Strecke in Richtung Cammin über Drüsewitz nach Goritz. Halten Sie sich an die Rübenbahnschilder, um hier den Abzweig in das Recknitztal nicht zu verpassen. Der Sandweg führt Sie durch bewaldete Talhänge. Wer bergab saust, muss auf der anderen Seite aber auch wieder hochstrampeln. Die einzigartige Landschaft der Recknitzniederung versüßt jedoch den „Aufstieg“ nach Eikdorf. In Cammin befindet sich Station 10 am Ortsrand. Nach gemütlicher Rast stellen Sie das Haltesignal auf „Freie Fahrt“ und setzen zum Endspurt nach Tessin an. Die landschaftlich weit schönere Alternative zum direkten Weg entlang der Kreisstraße ist jedochder Schlenker zurück über Eikhof in die Recknitz-Niederung. Wer hier auf einem Sandweg dem Flusslauf nach Wohrenstorf folgt, begegnet nich selten Schreadler, Kranich & Co.
Achten Sie in Wohrenstorf nicht nur auf das schöne Gutshaus,sondern auch auf den für kulturelle Events genutzten Kuhstall, denn hier zeigt Ihnen ein Schild den sicheren Weg über Weitendorf nach Tessin. Gleich hinter der Autobahn geht es wieder in das breite Recknitztal. An der hiesigen Weggabelung weisen Ihnen die Autobahnbrücke den direkten Weg zu „Slawio“ und der hölzerne Aussihtsturm „Fredissiomo“ auf dem Prangenberg die Richtung zur Zuckerfabrik. Wenn Sie „Fredissimo“ bevorzugen, werden Sie abschließend mit einem grandiosen Ausblick auf die Schönheit des gesamten Mecklenburgerparklandes belohnt.

Sollte es bereits ein wenig schummerig sein, wenn Sie nach Ihrer erlebnisreichen Tour nach Tessin zurückkehren, halten Sie einfach Ausschau nach den beiden beleuchteten Info-Stelen vor dem Haupteingang der Zuckerfabrik. Auch wenn Sie schon ein wenig müde sind, nehmen Sie sich doch die Zeit, die Bilder von den alten Maschinen anzuschauen. Sie werden sehen, dass selbst Fabriken einem bemerkenswert hohen ästhetischen Anspruch gerecht werden können.



Am Tessiner Bahnhof gibt es, so wurde mir gesagt, noch ein paar alte Fahrzeuge, die aber nicht mehr frei zugänglich sind, und ein "Museum".

Ich bitte darum, es mit der Qualität der Bilder nicht so genau zu nehmen, denn ursprünglich waren diese nur für mich bestimmt. Außerdem soll dieser Beitrag zur Anregung dienen, eventuell diese wohl eher unbekannte Bahn mal zu besuchen. Falls jemand dies täte, würde ich mich freuen in diesem Forum einen Beitrag darüber zu finden.

So aber nun zu meinem kurzen Bericht:

Am 27.10.2013 schwang ich mich im Urlaub mitten in Mecklenburg-Vorpommern auf mein Fahrrad. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen Rad fahren und plötzlich stand dieser Herr am Straßenrand:


Und neben ihm diese Tafel:


Damit war mein Interesse geweckt. Ich schwang mich also am nächsten Tag wieder aufs Rad und fuhr nach Alt Stassow:


Danach hatte ich den Gedanken, die Strecke an einem Tag abzufahren, aber mein Rad machte mir einen Strich durch die Rechnung. Die Fahrräder gab es kostenlos zum ausleihen in der Unterkunft, dafür waren diese auch sehr ungepflegt. Die Tour wäre mit diesem Rad(ich traute mich kaum zu schalten, so verrostet war die Kette und das Ventil des Reifen funktionierte auch nicht richtig, von den Bremsen ganz zu schweigen)nicht zu bewältigen gewesen. Die alten LPG-Straßen und das Kopfsteinpflaster hätten wahrscheinlich früher oder später das Ende der Radtour bedeutet. Um mich herum sah es so aus:




Einen Abstecher habe ich dann dennoch gemacht und zwar nach Tessin, zur alten Zuckerfabrik:







Viel Spaß beim Radeln wünscht
MORITZ
(aus der Biberklause in Neichen)

Wo die Ähren der Felder wiegen leise im Wind
das dampfende Bähnlein durchs Tal eilt geschwind.
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Re: Meine Fahrradtouren Teil 1:Tessiner Rübenbahnen

Beitragvon Jendris » Mi 22. Okt 2014, 21:35

Hallo Moritz,
sehr schön die Berichte - danke dafür.
Leider macht man solche Touren viel zu selten oder, wie in meinem Fall, weiß man von den noch existierenden Dingen viel zu wenig.
Man kommt ja auch nicht mal eben so dorthin.

Gruß
Jendris
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Re: Meine Fahrradtouren Teil 1:Tessiner Rübenbahnen

Beitragvon Micha7fkb » Mo 27. Okt 2014, 21:21

Hallo Moritz,

Schön, schön, schön :hppy:
Da hatte ich um die Wendezeit mal ca ein Jahr gewohnt, Bahndämme und Schienenreste sind mir damals bei Spaziergängen in die Umgebung schon aufgefallen (hab eine Schwäche für Schienen und Schienenreste), allerdings kam ich damals nicht auf die Idee sowas zu fotografieren :oops:
Die Zuckerfabrik war damals aber noch in Betrieb.

Irgendwann etliche Jahre später bin ich auf diese vergessenen Bahnen aufmerksam geworden, wohne jetzt allerdings ziemlich weit weg, also eben mal selber gucken is nich :-(
Ich hab allerdings Links von älteren gescannten Karten hier im Netz gefunden. Müßte mal nach den Tessiner Rübenbahnen schauen bei Gelegenheit.

Warst du mal bei der Torfbahn in Horst gucken (Wennn da noch was von übrig ist) ?

Gruß
Micha
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Re: Meine Fahrradtouren Teil 1:Tessiner Rübenbahnen

Beitragvon 99 608 » Di 4. Nov 2014, 16:32

Moin Micha,
ich bin ja auch nur durch Zufall auf diese Strecke gestoßen.

In Horst war ich nicht. Die Schmalspurbahnen des Nordens liegen eher weniger in meinem Interessengebiet.(Schön sind sie trrotzdem!)

VG MORITZ
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